Glas

Im bayrischen Dingolfing hatte Hans Glas sein Unternehmen aufgebaut. Die Hans Glas GmbH baute zunächst Landmaschinen und später dann auch Motorroller und Automobile. Wie viele andere Hersteller auch reagierte Glas auf den Markt. Die gesunkene Nachfrage nach Landmaschinen führte dazu, dass ausgehend von der Beliebtheit des Vespa Rollers, auch ein deutscher Roller erfolgreich am Markt sein könnte. 1951 brachte Glas daher einen Roller auf den Markt, der sich als robust und solide erwies und tatsächlich viele Käufer fand. Benannt wurde der Roller mit dem Kosenamen des Enkels "Gogg" und machte als Goggo-Roller von sich reden. Ausgestattet war er zunächst mit einem 123ccm ILO-Motor und ab 1952 mit einem 150ccm, oder wahlweise einem 200ccm ILO-Motor. Er wurde der meistverkaufte Roller Westdeutschlands.

Bereits 1952 begann die Entwicklung eines Kleinwagens, der eine ganze Familie (4 Personen) transportieren sollte. So entstanden verschiedene Versionen des damals beliebten Goggomobils, das, da es seinen direkten Konkurrenten von BMW Isetta, Messerschmitt und Heinkel überlegen war, schnell am Markt Fuß fassen konnte. Das kleine Wägelchen mit maximal 400ccm und 20 PS war sogar so erfolgreich, dass es schon bald in 36 Länder exportiert wurde. Täglich entstanden in Dingolfing über 150 Fahrzeuge und man entwickelte den Goggo-PickUp-Transporter und 1957 die Sportversion, das Goggo Coupé.

Durch diese Erfolge schob man bei Glas ein größeres Modell nach, den Glas Isar, auch als "großes Goggo" bezeichnet, der mit seinem 600ccm Zweizylinder-Viertaktmotor und 19 PS nun auch den Lloyd Paroli bieten konnte. Anfängliche Produktionsmängel waren der Grund, warum der Absatz sich nicht erwartungsgemäß entwickelte und bereits 1965 wurde dieser Wagen wieder vom Markt genommen.

1962 erfolgte mit dem neu entwickelten 1000ccm Motor und 45 PS der Einstieg in die Mittelklasse. Es entstanden die Modelle Glas 1004, Glas 1204 und Glas 1304. Der 1004 war auf einer verlängerten Bodengruppe des Isar aufgebaut und präsentierte sich als 2+2 Coupé. Der Motor, war der erste in Großserie angefertigte Motor mit Zahnriemensteuerung der Nockenwelle. Das Coupé wurde auch als Glas 1004 Cabriolet angeboten. Da die Kundschaft aber auf vier vollwertige Sitzplätze Wert legte, entwickelte man bald darauf die Limousine als Glas 1204. Damit die Fahrleistungen  des schwereren Wagen aber nicht abfielen, gönnte man dem Motor eine Leistungssteigerung auf nunmehr  1200ccm und 53 PS. Den gleichen S Motor konnte man auch im Coupé und Cabriolet ordern. Ab 1963 wurden noch stärkere Motoren angeboten, die dann als TS ausgewiesen wurden. Besonders die TS Versionen mit ihren 1000ccm 63 PS und dem 1200ccm 70 PS Motoren erreichten sportliche Werte, die nur knapp unter denen eines Porsche oder Alfa Romeo lagen und beschleunigten die Wagen auf über 160km/h. Ab 1966 wurde auch noch eine Schrägheckversion "CL" angeboten. Mit der Übernahme des Motors aus dem Glas GT, einem 1300ccm Motor mit 75 Ps Leistung erreichte die Modellreihe als Glas 1304 TS schließlich ihre stärkste Version.

1963 wurden Der Glas 1300 GT und die Limousine, der Glas 1700 vorgestellt. Damit war Glas in Käuferschichten vorgedrungen, in denen die Marke Glas weder Ansehen noch Tradition hatte. Die Wagen ließen sich, obwohl sie durchaus konkurrenzfähig waren, wegen des fehlenden Images nur schlecht vermarkten. 1967 musste die Produktion des GT wieder eingestellt werden. An dieser Entwicklung konnte auch der Griff nach den Sternen, der mittels der eleganten, von Pietro Frua gezeichneten, Glas 2600 V8 und Glas 3000 V8 versuchte Aufstieg in die Oberklasse, nichts ändern. Im Gegenteil, Glas fuhr Verluste ein, die die Firma schließlich zum Übernahmekandidaten machte. 1966 wurde die Firma von BMW geschluckt. Obwohl gerade der GT, nun aber mit BMW-Niere im Grill, noch bis 1967 produziert wurde, verschwand die Make Glas vom Markt.